Alt, aber trotzdem gut: Ein Leser machte mich heute auf das exzellente Interview der schweizer "Weltwoche" mit dem Islam-Experten Hans-Peter Raddatz aufmerksam (mein Dank an Martinius). Raddatz ist einer der wenigen deutschsprachigen Kenner der Materie, die es wagen den Islam auf der Basis von Fach- und Faktenwissen zu kritisieren und sich bisher auch nicht von den Morddrohungen aus den Reihen der Anhänger der "Religion des Friedens" einschüchtern lassen.
Auszug:
Im Tessin kandidierte eben eine Muslimin bei einer Gemeindewahl. In einem Interview begründete sie ihr Kopftuch: «Eine muslimische Frau bedeckt ihren Körper, auch zum eigenen Schutz.» Das heisst: Eine Frau muss gegen die feindliche Männerwelt ihre Vorkehrungen treffen.
Hinter der Vorstellung steht der ideologische Begriff der Fitna. Das arabische Wort heisst «Unruhe», «Störung», «Aufruhr». Die Fitna kann aus zwei Quellen entstehen. Einerseits aus politischen Erhebungen gegen den Machthaber und die Ordnung der Scharia. Und anderseits aus der Verselbständigung der Frau, ihrer Auflehnung gegen Männerdominanz und Verhüllung. Die Aussage Ihrer Muslimin macht deutlich, wie weit das islamische Recht bereits in das schweizerische eingedrungen sein könnte. Eine Frau in der Schweiz sollte doch keinen Schutz durch Kleidung brauchen; sie steht unter dem Schutz der Schweizer Rechtsordnung und Verfassung, die keinen Freibrief für sexistische Übergriffe ausstellen.
Viele Musliminnen sehen sich offenbar als permanente sexuelle Provokation, sie müssen sich verhüllen, um die Männerwelt vor sich zu schützen und sich vor der Männerwelt.
Die Marokkanerin Fatima Mernissi, eine der wichtigsten Feministinnen im islamischen Raum, hat einmal ironisch gefragt: Wenn wir Frauen die Männer so aufreizen, dass diese nicht mehr Herren ihrer Sinne sind, wäre es dann nicht angemessen, ihren Blick zu verhüllen, um sie vor sich und ihren Trieben zu schützen?
Kann ein islamischer Feminismus existieren?
Er ist nur sehr begrenzt möglich. Auch eine Fatima Mernissi stösst an ihre Grenzen. Das islamische System und die männliche Dominanz stellt Mernissi letztlich nicht in Frage. Ihre Botschaft besteht in der Konstruktion eines ethischen Islam. Sie argumentiert, dass Mohammed vor 1400 Jahren seine Frauen besser behandelt habe, als Muslime dies heute tun. Durch jahrhundertelangen Missbrauch sei ein falscher Brauch entstanden, den der Koran nicht rechtfertige. Also will Mernissi diese ethische Seite reaktivieren.
Eigentlich eine einleuchtende Konzeption...
...die aber zu kurz greift. Wenn diese Vorzüge im Islam angelegt sind, warum haben sie dann über eine so lange Zeit missachtet werden können? Warum konnten sich Theologen und Machthaber im Namen Allahs in Riesenreichen einrichten und auf eine Islamform berufen, die nicht authentisch sein soll? Mernissis Argumentation erinnert an Sichtweisen, die auch westliche Betrachter gern benutzen. Sie sagen, Islamismus habe mit Islam nichts zu tun. Die historische Praxis sagt aber eher, dass es den Islamismus ohne den Islam nicht gibt, dass beide ursächlich verknüpft sind. Die Islamisten beziehen sich auf dieselben Wurzeln wie ihre weniger radikalen Glaubensgenossen: auf den Koran und die Prophetentradition.
Aber kann man vom Christentum nicht dasselbe sagen: Die Verwebung von Glauben und Fanatismus, Kreuzzüge und Inquisition erweisen, dass das Christentum gewalttätig ist?
Man kann zwar sagen, im Namen Christi sind Ströme von Blut geflossen, nicht aber, dass Christus dazu aufgefordert habe. Wir müssen den Kern christlichen Denkens, also die individuelle Erlösung und Eigenverantwortung vor Gott, von der profanen, gewaltbereiten Ideologie des klerikalistischen Christentums trennen, die in der Aufklärung politisch überwunden wurde. Ebenso sollten wir zur Kenntnis nehmen, dass islamisches Sein nicht vom Kampf gegen den Nichtislam zu trennen ist. Vereinfacht lässt sich sagen, ein Christ missbraucht seine Religion, wenn er Gewalt anwendet, und ein Muslim missbraucht seine Religion ebenso, wenn er Gewalt nicht anwendet.
Ich muss Raddatz in allen Punkten Recht geben! Weiter unten habe ich einen Artikel gepostet in dem ich das islamische Frauenbild anhand von Koranzitaten in unterschiedlichen Übersetzungen untersuche. Das "klassische" islamische Rollenverhältnis von Mann und Frau ist demnach unvereinbar mit unserem säkularen westlichen Wertesystem! Festzuhalten ist zudem die Erkenntnis, dass der Konflikt zwischen dem Westen und dem Islam - ich wiederhole es gern - eben nicht nur ein Religionsstreit, sondern ein Kampf der Kulturen ist - was man schon daran merkt, dass sich die christliche und jüdische Geistlichkeit auffällig mit Kritik an den islamistischen Ausschreitungen wegen der "Mohammed-Karikaturen" zurückhält oder sogar Verständnis signalisiert!
Lächerlich sind die Bemühungen von 57 muslimischen Staaten die UN dazu anzuhalten, Kritik am Islam zu ächten und
"intolerante Ereignisse, Diskriminierung, Aufstachelung zu Haß und Gewalt zu verhindern, die aus allen Taten gegen Religionen, Propheten, und Glaubensrichtungen herrühren, welche den Genuss der Menschenrechte und fundamentaler Freiheiten bedrohen.” (zitiert nach Fakten & Fiktionen)
"Menschenrechte" und "fundamentale Freiheiten" sind hier nichts weiter als islamistische Kampfbegriffe, die auf die Unantastbarkeit des Islam abzielen! Das Recht auf Freiheit der Meinung, Kunst und Presse sowie der unantastbaren Menschenwürde sind etwas ganz anderes und und damit nicht gemeint!
Noch einmal Raddatz:
Ein Standardargument hiesiger Islambetrachter ist, dass die Armut der Muslime schuld sei an deren Radikalisierung. Würde mehr Wohlstand also das Problem beseitigen?
Der klassische Islam fiel mangels produktiven Wirtschaftens nach wenigen Jahrhunderten fremdfinanzierter Blüte in eine Stagnationsphase, die bis heute dauert. Averroes, der grosse Philosoph Spaniens, erkannte das Dilemma vor 800 Jahren. Er schrieb es zwei muslimischen Merkmalen zu: der Unfähigkeit zu Wissen ausserhalb des Glaubenskomplexes und der Frauenrepression.
Es ist eine Schande, dass man sich heutzutage den Anfeindungen westlicher "Gutmenschen" als auch der Islamisten stellen muss, wenn man diese Binsenwahrheit ausspricht. Ob Staaten oder Kulturen prosperieren hängt eben auch mit den Werten zusammen, die in den jeweiligen Gesellschaften gelebt werden. In der Zeit des Kalten Krieges war die Vorstellung, dass die westlichen Werte ein entscheidender Faktor in der Auseinandersetzung mit der Sowjet-Ideologie sein würden, noch Allgemeingut. Nur 15 Jahre später scheint sich diese Überzeugung fast vollständig verflüchtigt zu haben!